Vorwort zu: EAGLE-STARTHILFE
Physikalische Klimamodelle
 Oktober 2013

Bisher galt Kohlenstoffdioxid als der Klimabeeinflusser, insbesondere wenn man uns Menschen im Sinn hatte. Zieht man die Physik zu Rate, dann kommen daran wohl ein paar Zweifel auf. Sowohl mit als auch ohne Menschen. Stattdessen rückt bei genauerem Hinsehen das Wasser in den Mittelpunkt. Wenn es regnet oder Schnee fällt – dann mag das noch ziemlich klar sein. Aber die Strippen werden auch beim Klima im Hinter­grund gezogen. Wie also wirkt das Wasser, wenn man nichts sieht? Hier hel­fen physikalische Klimamodelle weiter, wie sie in diesem Buch betrachtet wer­den.

Es werden alle gängigen Klimamodelle behandelt, unabhängig davon, ob sie alle zu­­ein­­ander passen. Jedes Modell hat seine eigenen Voraussetzungen und Prozess­abläufe; diese müssen in sich selbstverständlich stimmig sein. Aber jedes Modell vermag in der Regel immer nur eine Blickrichtung auf die sehr komplexe Wirklich­keit zu gewähren – eine umfassende Sicht kann man indessen nur gewinnen, wenn man das Klimaproblem in Gänze betrachtet. Das bedeutet dann selbstverständlich auch, mit Modellen umzugehen, die unterschiedliche Sichten erlauben und damit auch Wider­sprüche sichtbar werden lassen. Das heißt nichts anderes, als sich einen eigenen Standpunkt zu erarbeiten. Starthilfe kann natürlich nur bedeuten, eine Zu­gangs­tür für den Leser zu öffnen; den Weg danach muss man selbst beschreiten.

Die Modelle dann so zusammenzustellen, dass sich eine stimmige Gesamtsicht ergibt, muss und soll also dem Nutzer überlassen blei­ben. Und auch ein bisschen der Zeit, in der wir leben. Die Wahrnehmung der Welt ändert sich mit der Zeit. Manches schiebt sich in den Vordergrund, anderes verliert seine Bedeutung. So liegt auch ein gewisser Reiz darin, nach und nach unter­schied­liche Modell­kombinationen aus­zu­probieren.

Klima ist das, was uns alle umgibt, in dem wir leben, in dem wir uns wohlfühlen – oder vielleicht auch nicht. Aber es ist in der Regel in Gänze nicht wahrzunehmen. Wenn man zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort eine Messung durch­führt, misst man nicht das Klima, sondern Wetterparameter. Es fehlt et­was Wichti­ges daran: die zeitliche Dimension. Erst der zeitliche Verlauf, über Jahr­zehn­­te, vielleicht aber auch über Jahrhunderte oder viele Jahrtausende, könnte die­- se Di­men­sion erschließen. Ob daher ein punktueller Messwert zum untersuchten Kli­ma­­zustand gehört oder als ein Ausrutscher eingeordnet werden muss, das bleibt letzt­lich einer individuellen Interpretation über­lassen.

Und  auch  darüber  sollte man sich im Klaren sein: Seit es Klima gibt, gibt es auch

Klimawandel. Klima stellt nicht irgendeinen willkürlich gewählten Durchschnitt von Parametern dar, sondern bildet eine Folge von Zuständen, die sich durch jeweils charakteristische Parameter auszeichnen und physikalisch nachvollziehbar ineinander übergehen. Aber eben eine Folge von Zuständen – und nicht irgendein ausgewähltes Parameter-Ensemble, dem man am besten eine quasi-ewige Existenz zukommen lassen möchte.

Was die im Buch verwendete Mathematik betrifft: Außer den Grundrechen­arten,  Exponentialrechnung, ein wenig Trigonometrie und Logarithmus sowie Differen­tia­tion und Inte­gra­­tion werden keine weitergehenden mathematischen Anforde­run­gen an den Nut­zer gestellt. Auf diese soll jedoch nicht verzichtet werden, weil da­mit physikalische Zusammenhänge korrekt und quantitativ nachvollziehbar dar­gestellt werden kön­nen. Das ist auf einem Fachgebiet, welches häufig von Speku­la­tionen und Glaubens­sätzen überwuchert zu werden droht, ganz einfach unver­zicht­bar. Definierte Sym­bole und überschaubare Zahlen in einfachen physika­li­schen Modellen ermögli­chen klare Aussagen und sind nachprüfbar.

Es ist wohl eher zufällig, dass die abschließende Durchsicht des Manuskripts für dieses Buch zeitlich mit der Veröffentlichung des ersten Teils des fünften klimato­logi­schen Bewertungsberichts des Intergovernmental Panel on Climate Change (UN-Welt­klimarat) – Zusammenfassung für Politiker – zusam­men­­fällt. Umso mehr freut es mich festzustellen, dass die in die­sem Be­richt vorsichtig anklingende Verringe­rung der Stringenz des Einflusses von Kohlen­stoffdioxid auf eine anthro­pogene Klima­erwärmung den Schlussfolge­run­gen des vorliegenden Buches entge­gen­­kommt. Was nun erwartet werden kann, ist eine pro­duktive Ver­sach­lichung der Debatte um den bedeutsamen Einfluss des Menschen auf das Klima der Erde.


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